Das Web als Informations- und Arbeitsplattform
Das Web als Informations- und Arbeitsplattform
Beitrag von Hannes Zaugg
Zweimal lud das publishingNETWORK Interessierte zum Thema „Keiner zu klein, multimedial tätig zu sein“. Sowohl in Zürich wie auch in Bern kam dieses Gespräch gut an, weil wir alle inzwischen in der multimedialen Welt angekommen sind, zudem konnte Christian Mossner von Canon anhand einfacher und daher eindrücklicher Beispiele aufzeigen, dass auch bei crossmedialen Kampagnen der Drucker mithalten kann. Sofern er nicht zuerst an seine Druckmaschine denkt, wenn er Print verkaufen will. Dies kam auch in der anschliessenden Diskussion zum Ausdruck: Wer in der grafischen Branche gross geworden ist, kann auch morgen noch davon leben, wenn er die heutigen Gegebenheiten erkennt und sein Können dementsprechend einsetzt.
Dabei spielt das Web die zentrale Rolle, weniger zur eigenen Information sondern vielmehr als Arbeitsplattform. Denn der Workflow zur Erstellung von Drucksachen wird zunehmend automatisiert. Auch wenn dieser Gedanke vielen Berufsleuten, die das grafische Handwerk lernten, einen kalten Schauer über den Rücken jagt, so verdrängt dieser nicht die Tatsache, das ausgeklügelte Hard- und darauf abgestimmte Software zunehmend ihr Wissen ersetzt. Die Brainware des Fachmanns kann sich nicht mehr auf kleine Fertigkeiten konzentrieren, gefragt ist immer mehr die Gesamtsicht und daraus müssen für ständig wechselnde Anforderungen neue Lösungen entwickelt werden. Dies wurde am Beispiel der beiden publishingNETWORK-Events gleich vorgespielt: Durch die konsequente Pflege des Adressstammes und die geschickte Kombination verschiedener Kommunikationsmittel wird jene Aufmerksamkeit erzeugt sowie das Interesse erreicht, das die Angesprochenen zum Handeln bewegt. Der volle Saal war der beste Erfolgsbeweis.
Eine wichtige Hilfe in diesem Fall war eine spezielle Software, die den Aufbau solcher crossmedialen Kampagnen unterstützt1 . Falsch beraten wäre jedoch jeder, der nun diese IT-Lösung einkauft und auf den (vorgeführten) Markterfolg hofft. Hard- und Software sind heute ebenso Werkzeuge und keine Heilsbringer, auch wenn sie noch so überzeugend wirken. Jedes Druckunternehmen muss für seine Marktsituation die richtige Lösung finden. Dabei kann ihm folgendes Modell auf seinem Weg zur Automatisierung als Richtschnur dienen.
Illustration Hannes Zaugg 2
Reine Web2Print-Lösungen haben sich im Markt bereits durchgesetzt, bei denen ein Kunde den Auftrag gleich selbst abwickelt und auch die Zahlung direkt erfolgt. Dafür eignen sich allerdings nur standardisierte Drucksachen. Bei periodischen Aufträgen werden heute vielfach Redaktionssysteme und Mediendatenbanken mit offenen Schnittstellen eingesetzt, was eine Mitarbeit des Kunden ermöglicht und den Arbeitsprozess vereinfacht. Der Grad der Automatisierung ist bei Akzidenzen, also individuellen Druckaufträgen, am kleinsten. Da erhält ein Kunde etwa noch Einblick in den Ablauf und/oder ihm wird der vereinfachte Austausch von Unterlagen geboten.
Mit dieser Abbildung werden die Eckwerte in der Entwicklung zur vereinfachten Printproduktion aufgezeigt. Hinzu kommen viele Kombinationsmöglichkeiten, auch sind erste Gesamtlösungen auf dem Markt. Ein Paradebeispiel für den weitgehend automatisierten Druckprozess bietet die Bookfactory in Mönchaltorf mit ihrer „PDF-to-Book“-Lösung, wo der Kunde selber zwischen einer kostengünstigen Standardlösung oder einem individuellen Produkt wählen kann, wozu er dann auch dementsprechend mehr in das Portemonnaie greifen muss. Für grössere Firmen interessant sind Gesamtlösungen (so etwa das Softwarepacket Censhare), welche alle wichtigen Funktionen im Kommunikationsprozess abbilden und unterstützen. Sie bieten dem Auftraggeber jene Freiheit, die er verstärkt sucht: die Produktion auf seine Bedürfnisse auszurichten. Und weil die Kommunikation immer anspruchsvoller wird, wechseln auch ständig seine Bedürfnisse.
1 DirectSmile von der gleichnamigen Firma in Berlin, wird in der Schweiz von Canon vertrieben.
2 Hannes Zaugg (63) ist Wirtschaftswissenschafter und seit über 30 Jahre für die Medienbranche tätig, er berät Unternehmen bei interaktiven Medienprojekten, führt einen Fachverlag und doziert an zwei Fachhochschulen.
